31. Mai 2007
Nachdem ich mir pünktlich zum Umzugstag einen Hexenschuss zugezogen hatte, bin ich nun dank umso tatkräftigerem Anpacken meiner Helfershelfer doch noch in Bremen angekommen.
Und es ist eine lustige Stadt. Hier gibt es Ampeln die gleichzeitig grün und rot sind und einen Haufen netter Ausländer. Ich wohne im so ziemlich desolatesten Stadttei, in Walle, im einzig schönen Haus weit und breit. (
Das wäre dann dieses.). Eine frisch restaurierte Gründerzeit-Villa, wie es sie in Bremen offenbar zu tausenden gibt. Meine Wohnung ist weder im Erdgeschoss, noch im Souterrain. Mit dem Garten bin ich auf einer Ebene, da das Haus sehr hoch gebaut ist. Würde meine Wohnung zur Straße herausgehen, würde daher grad noch Statistiken über die Marktpenetration einzelner Schuhmarken im Bremer Ghetto führen können. Tu ich aber nicht. Ich habe zwei gemütliche Terassen, eine überdacht und einer offen, die beide in einen lieblichen, ruhigen Garten zeigen. Wenn wie jetzt die Sonne scheint, zwitschern die Vögel und die fiesen, reudigen Nachbarskatzen, die sich des Nachts Revierkämpfe liefern, liegen faul in der Ecke und glotzen mit leerem Blick Löcher in die Luft.
Aber immer mehr Bilder sagen: tausend!
Es ist schon eine Umgewöhnung. Ich kann nun keine Fahrradfahrer mehr mit Sektkorken von ihren Drahteseln holen und wenn ich hier mit Bonbons nach Inlineskatern werfen würde, wäre mir eine kleine aber feine Blutrache sicher gewiss. Serben und Kroaten, Albaner, Russen, Polen, Türken geben sich die Klinke in die Hand mit Brasilianern und solchen, die es geworden wären, hätten sie sich nicht für ein sonnigeres Leben im warmherzigen, deutschen Norden entschieden. Und ab und zu, sieht man sogar einen deutschen. Kein Wunder(?) also, dass besonders hier in Walle die Straßen vor einem Monat noch geziert waren von Wahlplakaten der DVU, REP und sonstiger Kleingeister.
Hier wirft man übrigens seinen Papiermüll einfach vor die Tür. So lange man nicht den Haufen vom Döner-Türken nebenan trifft, stört das niemand. Die Müllabfuhr ist hier geduldiger. Bei der Stadt stürzt schon mal das gesamte Computersystem ab, sodass eine Ummeldung des Wohnsitzes unmöglich wird. Und beim Klamottenkauf heisst es dann schon mal: "Diesel...? Aaaach soo, die Jeans meinen Sie!".
Die Stadt Bremen hat übrigens die meisten Millionäre und das Bundesland die meisten Arbeitslosen. Fast. Die meisten Arbeitslosen haben natürlich Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen Anhalt. Aber: Bremen schlägt sich mit knapp 14% nicht schlecht. Hier trifft Arm auf Reich. Das Brutto-Inlandsprodukt per Einwohner liegt absurderweise bei 60.000 Euro und damit direkt hinter Hessen und Hamburg auf dritter Stelle. Und Bremen ist winzig. Man sollte es kaum für möglich halten, aber das Bundesland ist kleiner als das mickrige Saarland.
Abgesehen davon, ist man hier nett. In der Innenstadt trägt man die Nase ebenso weit in der Luft wie in Münster und in den Aussenbezirken trägt man eben Aldi-Tüten. Wens nicht stört, der kann prima Gemüse beim Türken und alles andere im größten Supermarkt der ganzen Welt (naja, so in etwa) einkaufen.